Die meisten in unserer Gesellschaft denken bei Ninja an bösartige, schwarz gekleidete Männer, die sich im Schatten verstecken und dann plötzlich aus dem Nichts auftauchen. Allerdings waren und sind nicht alle Ninja männlich, und nicht alle verstecken sich im Schatten.

Kunoichi - weibliche Ninja - waren und sind ein wichtiger Bestandteil im Bujinkan / Ninjutsu.


1561 wurde Mochizuki Chiyome vom Onkel ihres verstorbenen Mannes, Daimyo Takeda, gebeten, junge Frauen als Kunoichi Agenten für seinen Clan auszubilden. Dafür nahm sie junge, alleingelassene oder weggelaufene Mädchen bei sich auf. Die Mädchen lernten die Gepflogenheiten einer Miko (Priesterin) sowie psychologische und strategische Prinzipien der Kriegsführung. Als Miko konnten sie problemlos durch ganz Japan reisen und hatten Zutritt zu vielen, sonst schwer zugänglichen, Plätzen. So war es ein leichtes für sie, mit den Clan-Spionen Kontakt aufzunehmen und Informationen zu tauschen, ohne aufzufallen. Somit war ihre Tarnung perfekt für die Informationsbeschaffung.

 

Woher stammt die Bezeichnung "Kunoichi"?
Kunoichi ist der Begriff für weibliche Ninja oder Schüler des Ninpo. Es wird angenommen, dass der Name aus dem Schriftzeichen entstanden ist, dessen drei Striche dem Kanji Zeichen für ‘Frau’ (, onna), ähneln. Wenn sie in der Reihenfolge der Schreibweise ausgesprochen werden: ku () - no () - ichi ().

Ikanji kunoichim Japanischen wird ‘ku’ in Hiragana, ‘no’ in Katakana und ‘ichi’ in Kanji geschrieben. Fügt man diese drei Zeichen zusammen, wie im Bild dargestellt, erhält man das Japanische Wort „onna“ (in Kanji) für „Frau“.

Eine weitere Theorie besagt, dass der Name von den Zeichen 九能一 ( "nō" : Talent/Fähigkeit), der Japanischen Zahl ‘9’, "ku" () und der Zahl ‘1’, "ichi" () abgeleitet wird. Die Bedeutung wäre ‘Eine Person mit neun Fähigkeiten’. Allerdings gibt es keine verlässliche Liste für diese neun Fähigkeiten.

Die Ausbildung der Kunoichi unterschied sich von der der Männer. Ihr Training betonte Verkleidung, Gifte und die Nutzung des Geschlechts. Sie wurden im Nahkampf geschult und dieses Wissen war besonders von Nutzen, wenn sie gefangen wurden. Einige ihrer Verkleidungen umfassten Geishas, Prostituierte, Wahrsager, Bedienstete und vieles mehr, um sich dem Feind zu nähern, oder sie nutzten diese Intimität, um Informationen zu beschaffen.

Die Kunoichi konnten ihre Waffen in der Verkleidung verstecken. Beliebte Waffen waren kleine Messer, die im Ärmel oder Gürtel versteckt wurden, sogar in Musikinstrumenten oder Erotikgegenständen, vergiftete Haarnadeln oder lange Nägel zum Kratzen, Blendpulver, Seile und Fächer, die alle versteckt und auf kurzer Distanz zum Einsatz kamen. Umfangreiche Schulung in psychologischer Kampfführung und Bewusstseinskontrolle halfen ihnen die Emotionen des Feindes mit hoher Fähigkeit und Intuition zu beeinflussen.

Moderne Kunoichi heute, erfüllen dieselben Aufgaben wie Männer und arbeiten in der Sicherheitsbranche, Polizeibehörden oder als private Ermittler (wo sie noch immer diverse Verkleidungen oder geschlechtsbedingte Mittel nutzen können).

Im Bujinkan erlernen und praktizieren sie dieselben Techniken und Fähigkeiten wie Männer. Effektivität als Stärke wird dabei dem Einsatz von Kraft vorgezogen. Das hat zum Vorteil, dass die Leichtigkeit einer Technik schneller erlernt wird, ohne von Muskelkraft abhängig zu sein. In realen Konfliktsituationen kann die Kombination von Stärke und einer mühelosen Technik geradezu überwältigend sein.


Kunoichi früher und heute

Neko TeDie frühen Kunoichi´s waren meist Spione zur Informationsbeschaffung oder Beobachtung. Das Training war eher auf psychologische Techniken fokusiert wie Manipulation, Nutzung des weiblichen Charms, Intuition, Verkleidung, Tanz und Singen, Teezeremonien und Gifte. Sie wurden gelehrt mit den Gefühlen anderer zu spielen und sie zu ihrem Vorteil zu nutzen, ebenso wie ihre eigenen Gefühle unter Kontrolle zu halten. Dabei war Schönheit auch eine ihrer wervollsten - und tödlichsten - Waffen. Das Training der Kunoichi basierte auf Überraschungstaktiken und versteckten Waffen. Die favorisierte Waffe war die „neko-te“ (Katzenhand) - starke Eisennägel, die mit einem Lederband an den Fingern befestigt wurden, teilweise auch mit Gift versetzt. Ansonsten waren es eher kleine Waffen, die leicht zu verstecken waren wie zum Beispiel kleine Messer in den Ärmeln oder im Gürtel, (vergiftete) Haarnadeln, Fächer. Waffen wurden teilweise auch in Musikinstrumenten versteckt um sie unbemerkt in ein Gebäude zu schmuggeln.

Ein Sprichwort aus dem feudalen Japan lautet: "Es gibt keine Burg, die gut genug bewacht ist, dass eine Kunoichi nicht hinein gelangen kann."

Anders, als die männlichen Shinobi, die versuchten ungesehen in eine Burg einzudringen, nahmen Kunoichi sich Zeit, erschlichen sich das Vertrauen der Zielobjekte und wurden so oft Teil von deren Haushalt. So konnten sie problemlos Informationen sammeln und bei Bedarf überraschend zuschlagen.

Hatsumi-Sensei sagte einmal, dass die weiblichen Ninja (Kunoichi) als Teil von „kamae no sui“ (Wasser) eingestuft werden. [...] Wie ein Ozean würden sie zurückweichen, nur um wie eine Welle bei Flut zurück zu kommen, auf unerwartete Weise und mit voller Wucht.

Im Mittelalter wurde die Ausbildung der Kunoichi der männlichen angepasst. Kunoichi erhielten die Grundausbildung des Ninjutsu mit Konzentration auf den Nahkampf.

In der heutigen Zeit lernen Männer und Frauen gleichermaßen die verschiedenen Techniken der überlieferten Schulen. Die psychologischen und intuitiven Themen werden aber auch heute noch gelehrt. Hier liegt der Fokus oft darauf, die Techniken im natürlichen Fluss und ohne Kraftaufwand durchzuführen. Die Effektivität der richtig ausgeführten Technik wird hierbei der Muskelkraft vorgezogen. Sobald Muskelkraft (fast) keine Rolle mehr in der einzelnen Technik spielt, können auch Frauen diese gegen große und schwere Gegner sehr effektiv einsetzen.

Damals wie heute gilt: Eine Kunoichi verschwendet niemals Zeit oder Energie in einer Kampfsituation. Ebenso ist die Kunoichi niemals ein Opfer, auch wenn sie nach außen schwach und hilflos erscheint.


Warum tragen manche Frauen im Bujinkan lila?

In manchen Dōjō tragen die Frauen einen lilanen Gi. Oft kommt daher die Frage auf, warum lila und woher kommt das? Auch hierzu gibt es verschiedene Erzählungen.

Die einen sagen, in den 1970ern wählte Hatsumi Mariko (Sokes Frau) die Farben lila (Gi) und rot (Obi), weil sie der Meinung war, Frauen sehen in schwarz zu blass aus. Die Farbe lila sollte weiblicher sein. Dazu passte das Grün der Gürtel dann nicht mehr und sie entschied sich für rot.

Andere wiederum meinen, dass Hatsumi Mariko die Farbe gewählt hat, da lila auch alltagstauglich ist. In lila fällt die Kunoichi nicht sonderlich auf und kann sich ohne Aufsehen durch die Straßen bewegen.

Ebenfalls bedeutet lila im japanischen auch Wohlstand oder Glück und wird teilweise auch damit verbunden.

Fakt jedoch ist, jeder Dojoleiter bestimmt selbst, was für Farben getragen werden. Denn manchmal trifft man auch auf Frauen mit Kyu-Graduierungen, die einen grünen Gürtel tragen.

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